Gestern beim Metzger

Das Haus Alt-Horn in Horn-Bad-Meinberg, Kreis Lippe, ist eines der ältesten und schönsten Bürgerhäuser der Stadt und beherbergt ein privates Fleischerei-Museum.

 

Hier sieht es ja aus wie in einem Museum!“ Wenn Freunde und Bekannte von Heinrich und Christa Thies einen Blick in die Räume der ehemaligen Metzgerei geworfen haben, fühlten sie sich an vergangene Zeiten erinnert. Pro Woche wurden dort mindestens vier Schweine und ein Rind geschlachtet, das Fleisch wurde für das Ladengeschäft und die angegliederte Gaststätte verarbeitet. Da zum Betrieb auch noch etwas Landwirtschaft gehörte, stammten die Tiere zum Teil aus eigenen Beständen.

Hackmesser und Hauklotz

Das ist lange vorbei. Schon 1971 hatte Heinrich Thies das Laden­lokal zu einem Gesellschaftsraum umbauen lassen. Als Metzger war er seitdem nur noch tätig, um den Bedarf des Restaurants zu decken. Der 1929 geborene Fleischermeister und gelernte Kaufmann setzte damals auf Veränderung und studierte Betriebswirtschaft. Mit dem Abschluss in der Tasche machte er sich im Bereich Buchhaltung und Beratung für Gastronomie, Handwerk und Landwirtschaft selbstständig, während seine Ehefrau das Restaurant führte.

Inzwischen genießen beide längst ihren Ruhestand – oder besser gesagt: ihren Unruhestand. Durch die vielen Anfragen und einen Artikel in einer Fachzeitschrift für das Fleischerhandwerk motiviert, richteten sie in den ehemaligen Produktionsräumen der Metzgerei ein Museum ein.

Von der Präsentation des früheren Ladenzubehörs oder kleinerer Arbeitsgeräte abgesehen, musste kaum etwas verändert werden. Die komplette Betriebsausstattung war ja noch original vorhanden, inklusive Hackmessern und Hauklotz, Kühlraum und Kochschrank.

Haus ist fast 440 Jahre alt

Besucher erfahren bei den geführten Rundgängen Einzelheiten über die Abläufe und den Arbeitsalltag in einer handwerklichen Metzgerei. Die Kombination aus Landwirtschaft, Fleischerei und Gastronomie ist ein originelles Beispiel für die frühere Vielseitigkeit kleinstädtischer Gewerbebetriebe. Das Ganze befindet sich in einem der ältesten und schönsten Bürgerhäuser der Stadt Horn. Das mit eindrucksvollen Schnitzereien aus der Renaissancezeit verzierte Gebäude ist laut Balken-Inschrift 1579 von einem Kornhändler errichtet worden.

Heinrich Thies hat viele Infor­mationen zur Geschichte seines Elternhauses zusammengetragen. Mit Sachkenntnis und Humor gibt er sein Wissen weiter. Ebenso lehrreich wie unterhaltsam sind die Schilderungen, in denen die einstige Schlachterei im Mittelpunkt steht. Bei vielen Besuchern des Fleischerei-Museums werden Erinnerungen geweckt. Oft will das Erzählen und Nachfragen kein Ende nehmen – gerade auch beim anschließenden Austausch bei Kaffee und Kuchen, Waffeln oder lippischem Pickert.

Tipps für Besucher

Das private Fleischerei-Museum  im Haus Alt-Horn (Nordstraße 9) in Horn-Bad Meinberg ist zwischen April und Oktober nach Vereinbarung geöffnet. Voranmeldungen sind möglich unter Tel. (0  52  34) 20  49  32, per E-Mail unter der Adresse: alt-horn@t-online.de.

Text und Foto: Annette Fischer