Essen vom Lieferdienst - gut oder teuer?

Direktvermarkter Josef Kemna (r.) lässt das Essen für seine Saisonmitarbeiter liefern. Foto: Kopf

10.05.2017 . Der Mindestlohn steigt. Lassen sich Kosten sparen, wenn das Essen ein Lieferdienst bringt? Worauf kommt es bei der Auswahl des Caterers an? Antworten geben ein Direktvermarkter und eine Beraterin der Landwirtschaftskammer NRW (LWK).

Auf dem Spagelhof von Barbara und Josef Kemna in Dorsten, Kreis Recklinghausen, sorgt in dieser Erntesaison erstmals ein Caterer, also ein Lieferdienst, für das Mittagessen. Bisher war eine Erntehelferin für die Zubereitung der Speisen zuständig. Doch diese Lösung ist zu teuer geworden. Denn der Mindestlohn zieht den Erzeugern einen großen Strich durch die Rechnung. Ab dem 1.1.2015 waren es 7,40  €. Jetzt zahlen sie 8,60  €. Ab November 2017 beträgt der Mindestlohn 9,10  €.

Kosten sparen

Deswegen entschied das Betriebsleiterehepaar, neu zu planen. Die Erntehelferin, die bisher sechs Stunden in der Küche und zwei Stunden auf dem Feld beschäftigt war, setzen sie nun ganztägig in der Spargelernte ein. Das Essen bringt ein Caterer.

Kosten vergleichen

Ob das gelieferte Essen günstiger ist, lässt sich mit einer einfachen Formel schätzen: Wareneinsatz in € (Zutaten) x 175 bis 200  % = kalkulierter Preis der zubereiteten Speise

Diese Schätzung wenden erfahrene Hauswirtschaftsmeisterinnen für einen schnellen ersten Vergleich an. In die exakte Berechnung fließen neben den Preisen der Zutaten betriebsbedingte Kosten wie Personalkosten (kocht die Wirtschafterin, die Meisterin oder eine Auszubildende), Kosten für Strom, Abschreibungskosten der Haushaltsgeräte und Reinigungskosten ein. Die Kostenstruktur unterscheidet sich zwischen den einzelnen Haushalten enorm. Alle Daten für die exakte Berechnung zusammenzutragen, braucht Zeit.

Lieferdienst testen

Bevor sich das Ehepaar für den Lieferdienst entschieden hat, hat es sich Infos eingeholt und das Essen getestet. Das sei genau der richtige Weg, betont Susanne Saerbeck, Referentin der LWK für den Fachbereich Hauswirtschaft. Sie gibt weitere Hinweise für die Wahl des Caterers:

  • Wie seriös ist der Anbieter/die Betriebsstätte?
  • Wer arbeitet dort?
  • Werden gesetzliche Auflagen und Standards zur Lebensmittelverarbeitung eingehalten?
  • Sind Zutaten und Allergene gekennzeichnet?
  • Wer haftet für Schäden?
  • Hinweise geben der Internetauftritt, das Impressum und ein Besuch vor Ort.
  • Beim Menü ist darauf zu achten: Kommt es pünktlich, heiß, sauber, ansprechend beim Kunden an?
  • Handelt der Anbieter nachhaltig?
  • Verwendet er Einmalgeschirr?
  • Wie wickelt er die Rückgabe von Schmutzgeschirr ab?

Anhand dieser Punkte lassen sich Anbieter testen. Denn das Angebot an „Essen auf Rädern“ ist groß: Metzgereien, Partyservices, Menü-bringdienste für Altenheime, Krankenhäuser, Kantinen und Schulen liefern auch an Privatpersonen und auf landwirtschaftliche  Betriebe.

Was kostet das Essen auf Rädern?

Für das Mittagessen zahlt der Betrieb pauschal 5  € pro Mahlzeit an den Caterer, unabhängig davon, ob es Schnitzel mit Bratkartoffeln oder einen Eintopf gibt. Die Kosten für den Lieferdienst tragen Kemnas allerdings nicht allein. Sie berechnen den Mitarbeitern 9  € pro Tag für Kost und Logis.

Vorteile des Lieferdienstes

Maria Ratersmann aus Hörstel, Kreis Steinfurt, betreibt seit 20 Jahren auf dem landwirtschaftlichen Betrieb ihres Mannes einen Partyservice. Sie liefert Essen für besondere Anlässe wie Familienfeiern und Richtfeste. Aber auch Lohnunternehmer und Landwirte nutzen das Catering in der Erntezeit.

Sie sieht den Vorteil des Lieferservices darin, dass vor allem die Betriebsleiterin entlastet wird. Lässt sie das Essen liefern, muss sie nicht den ganzen Vormittag am Herd stehen, geschweige denn, sich um den großen Einkauf und die Vorratshaltung kümmern. Stattdessen kann sie ihre Zeit den betrieblichen Aufgaben widmen. rk

Den ungekürtzen Beitrag lesen Sie in Wochenblatt-Folge 16/2017, Seite 84 f.