EU stuft Glyphosat als nicht krebserregend ein

Nach der Einstufung von Glyphosat als nicht krebserregend könnte der Herbizidwirkstoff wieder länger zugelassen werden. Foto: Spichala

16.03.2017 . Der Ausschuss für Risikobeurteilung (RAC) der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) hat die Einstufung des Herbizidwirkstoffs Glyphosat als nicht krebserregend bestätigt.

Demnach erfüllen die wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht die Kriterien, um Glyphosat als krebserregend zu bewerten, teilte ECHA heute in Helsinki mit. Damit machte die Behörde den Weg frei für eine längere Zulassung des Wirkstoffs.

Der kommissarische Hauptgeschäftsführer des Industrieverbandes Agrar (IVA), Dr. Dietrich Pratt, forderte die Europäische Kommission auf, jetzt die mehrfach verschobene Genehmigung von Glyphosat zu erteilen. Auch von der Bundesregierung dürfe man erwarten, dass sie sich für ein zügiges Verfahren in Brüssel einsetze. Es gehe auch um Deutschlands Glaubwürdigkeit in Europa, so Pratt. Vor allem aber gehe es darum, den Landwirten in der EU den Einsatz dieses wichtigen Herbizidwirkstoffs zu ermöglichen.

Der EU-Dachverband der Pflanzenschutzindustrie (ECPA) stellte fest, dass die Einstufung der ECHA, dass Glyphosat nicht krebserregend sei, übereinstimme mit den schon existierenden 90 000 Seiten an Gutachten, mit den 3 300 Peer-review-Studien, den Einschätzungen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) und weiteren Zulassungsbehörden weltweit. Man erwarte nun, dass die EU-Kommission Glyphosat für weitere 15 Jahre zulasse, so wie dies ursprünglich vorgeschlagen worden sei, bevor dieses Thema zu einer politischen Debatte geworden sei.

Politik gespalten

Aus Sicht des agrarpolitischen Sprechers der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Franz-Josef Holzenkamp, ist es jetzt an der Zeit, den politisch motivierten Streit zu beenden und auf Basis der nun vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse eine faktenbasierte Entscheidung zu treffen.

Die Agrarsprecherin der Bundestagsfraktion Die Linke, Dr. Kirsten Tackmann, gab indes zu bedenken, dass die ECHA in einer ersten Erklärung darauf verweise, dass das verfügbare Wissen die Kriterien nicht erfüllen würde, Glyphosat als krebserregend zu bewerten. Mithin blieben Fragen offen, so Tackmann. Unabhängig davon bleibe ihre Fraktion bei ihrer Forderung nach einer konsequenten Minimierungsstrategie.

Der grüne Europaabgeordnete Martin Häusling erklärte, die mögliche Krebsgefahr sei nicht das einzige Argument gegen das Mittel. Glyphosat sei „ein enormes Risiko für die Artenvielfalt, weil es alle unerwünschten Pflanzen und deren Samenvorräte auf Äckern, Wiesen, Wegen und Plätzen vernichtet“. Häuslings Parteikollege, der Bundestagsabgeordnete Harald Ebner, betonte, das ECHA-Gutachten sei kein „Freibrief für eine Neuzulassung“.

Bundesministerien nähern sich an

Innerhalb der Bundesregierung zeichnet sich mit dem ECHA Gutachten Bewegung zum Thema Glyphosat ab.
Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt sieht in der gestrigen Glyphosat Bewertung der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) eine Bestätigung der bisherigen wissenschaftlichen Linie. „Auf Basis aller vorliegenden Erkenntnisse kommen die Wissenschaftlicher überein, dass bei sachgerechter Anwendung des Wirkstoffs Glyphosat keine Zweifel an der gesundheitlichen Unbedenklichkeit bestehen“, sagte er.
Bundesumweltministerin Barbara Hendricks scheint sich wieder auf die alte Position des Bundesumweltministeriums (BMUB), wonach es einer weiteren Zulassung von Glyphosat unter Auflagen zustimmt, zuzubewegen. AgE/ topagrar