Öko-Umstellung ist (k)eine Kunst

Ein wichtiges Grundprinzip des Ökologischen Landbaus ist der Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel. Bei der Unkrautbekämpfung werden deshalb verstärkt mechanische Verfahren eingesetzt. Foto: Landpixel

13.04.2017 . Der Ökolandbau stellt für viele Betriebe eine ausgezeichnete Bewirtschaftungsalternative dar. Für nicht wenige kann er sogar die einzige Form der Existenzsicherung sein.

Aber worauf lässt man sich ein, wenn man umstellt? Bevor die Umstellung in Angriff genommen wird, sind viele Dinge in Erfahrung zu bringen und zu beachten.

Eindeutige Regeln

Nach den Regeln des Ökolandbaus zu wirtschaften bedeutet, dass man ein Produktionsversprechen abgibt, welches beispielsweise den Verzicht auf leicht lösliche Mineraldünger bzw. auf chemisch-synthetischen Pflanzenschutz beinhaltet. Auch für die Haltung und die Fütterung der Tiere gibt es klare Vorgaben.

Ökoberater
Berater für den Ökolandbau in Nordrhein-Westfalen finden Sie hier: Landwirtschaftskammer NRW
Ökologischer Land- und Gartenbau
Gartenstraße 11
50765 Köln-Auweiler
Ansprechpartner: Georg Pohl
Telefon: (02  21) 53  40-272
E-Mail: oekoteam@lwk.nrw.de

Diese Regeln sind definiert in der EU-Öko-Verordnung und – in weitergehender Form – in den Richtlinien der Ökoverbände. Nach einer Umstellungszeit von normalerweise zwei Jahren erfolgt die Anerkennung als Ökobetrieb. Dann erst dürfen die Erzeugnisse das staatlich geschützte Ökosiegel tragen.

Marktchancen ausloten

Die Absatzchancen für Erzeugnisse des Ökologischen Landbaus könnten zurzeit kaum besser sein. In fast allen Produktbereichen ist der Bedarf an Ökoware immens und stetig wachsend und kann oft gar nicht aus regionaler Produktion befriedigt werden. Denn genau nach den Erzeugnissen aus heimischer Produktion sucht der Handel und bevorzugt sie in der Regel beim Einkauf, nicht selten auch zu besseren Konditionen.

Der einzelne umstellungsinteressierte Betrieb kann darauf alleine jedoch nicht bauen und sollte seine möglichen Absatzwege vor einer Umstellung genauestens prüfen.
Vor jeder Umstellungsentscheidung steht zwingend die Information. Dazu bieten sich Plattformen wie oekolandbau.nrw.de oder oekolandbau.de genauso an wie Broschüren und Unterlagen der Öko-Organisationen.

Erstmal ein Betriebs-Check

Darüber hinaus ist es empfehlenswert, das Gespräch mit erfahrenen Beraterinnen und Beratern zu suchen. In NRW stehen die Landwirtschaftskammer und die Ökoverbände hilfreich zur Seite. Einen besonders guten Einstieg bietet ein  kostenloser „Betriebs-Check“ im Rahmen der Bio-Offensive.

Erfahrungsgemäß unterstützen Gespräche mit schon praktizierenden Ökobetriebsleitern und Besuche von Ökobetrieben die Entscheidungsfindung in hervorragender Weise. Nirgendwo sonst erhält man einen unmittelbareren und objektiveren Einblick in das Tagesgeschäft und kann daraus eigene Rückschlüsse ziehen. 

Das Land NRW fördert die Umstellung zum Ökologischen Landbau und die Beibehaltung dieser Bewirtschaftungsform. Neben der normalen Betriebsprämie (Direktzahlung) wird ein flächenbezogener Betrag für die Bewirtschaftung nach den Regeln der EU-Verordnung für den Ökolandbau gezahlt. In den ersten beiden Jahren, also in der Umstellungszeit, wird ein erhöhter Betrag bezahlt.

Förderung ist nicht alles

Die Förderung ist ein wichtiger Baustein für eine wirtschaftlich erfolgreiche Umstellung und eine langfristige Sicherung der Einkünfte im Betrieb. Erfolgreiche Betriebsführung und gute Organisation der Vermarktung sind aber die mit Abstand bedeutendsten Faktoren für den Betriebserfolg. 

Wenn feststeht, dass es aus betrieblicher Sicht keine unüberbrück­baren Hindernisse gibt, sollte man eine wirtschaftliche Vorausschau auf den denkbaren zukünftigen Ökobetrieb durchführen. Dazu sind zwei Pläne zu schreiben:
Im ersten Plan wird der Betrieb so dargestellt, wie er zukünftigen aussehen soll. Der dort ausgewiesene Produktionsumfang liefert die Informationen über die zu erwartenden Kosten und Leistungen bzw. Erträge und – nicht zu vernachlässigen – Hinweise darauf, mit welchem Arbeitsaufwand künftig zu rechnen ist.

In einem zweiten Plan wird der „Weg dahin“ beschrieben, er ist also der Umstellungsfahrplan. Darin sind nicht nur die Abfolge der einzelnen Schritte wie etwa Zeitpunkte zur Antragstellung und Umstellung einzelner Betriebsbestandteile dargelegt, sondern auch die dazu nötigen Finanzmittel.

Alle müssen mitmachen

Diese wirtschaftliche und arbeitswirtschaftliche Vorschätzung des zukünftigen Ökobetriebs erfolgt sinnvollerweise zusammen mit erfahrenen Beratungskräften des Ökolandbaus.

Ist die Betriebsumstellung wirtschaftlich sinnvoll und formal möglich, kommt es letztendlich auf die Betriebsleiterfamilie selbst an. Die Umstellung zum Ökolandbau ist eine weitreichende betriebliche Entscheidung. Deshalb sollten alle im Betrieb mitwirkenden Familienmitglieder in die Entscheidung einbezogen werden.
Georg Pohl, Dr. Karl Kempkens, Landwirtschaftskammer NRW

 

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der Wochenblatt-Ausgabe 15/2017.